"Die richtige Bestimmung des schwarzen Chamäleons
der Alten machte den "Vätern der neuern Botanik
nicht geringe Mühe. Bartholomäus Maranta scheint der
erste gewesen zu seyn, der die wahre Pflanze ausmittelte;
er fand sie in Apulien und schickte sie an Mathiolus,
der sie zwar abbilden ließ, sie aber misskannte
, indem er eine Carlina für den schwarzen Chamäleon ansah. Auch Anguillara fand die Pflanze in Italien
und hielt sie für das, was sie ist. Dodonäus gibt
ebenfalls eine Abbildung, die er von Anton Cortusu erhalten hatte. Bellonius fand die Pflanze zuerst in
Griechenland und zwar auf Lemnos , in den Feldern
um Abydus, am Hellespont und in Thracien ; er kann
nicht genug ihre Schönheit rühmen und meint, das
Blau der Blumen streite mit dem des Himmels, die
schöne Cyanblume erblasse gleichsam wenn man sie neben
den Chamäleon halte. — Bauwolf fand sie später
um Tripoli in Syrien. Beide bemerkten das Scharfe
und Beißende der Wurzel, eine Eigenschaft, die bei
den Compositen nicht gemein ist. In neuern Zeiten
fand sie Sibthorp in Griechenland. Linne nannte sie Carthamus
corymbosus, Willdenow Brotera corymbosa,
Persoon Cardopatum corymbosum.
Die Alten hielten die Pflanze für giftig. Theophrast
bemerkt, dass die Hunde von der Wurzel sterben. Galen
hält sie für so gefährlich, dass man die innere Anwendung
nicht wagen dürfe, und Paulus Aegincta gibt
schreckliche Symptome an , die nach dem Genüsse dieser
Wurzel erfolgen sollen. Mehrere Zeugnisse der
Art könnten noch beigebracht werden , auch wäre es
in der That wichtig, diese Angaben näher durch Versuche
zu prüfen.
Hippokrates scheint in Hinsicht der Anwendung
gleiche Ansicht gehabt zu haben, denn er brauchte sie
bloß äußerlich und zwar zur Heilung der Wunden mit
Feigen und Ochsengalle , dann mit Alaun und Feigensaft
bei schlimmen Geschwüren."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)