"Cajeput- und Niaouliöl: Melaleuca quinquenervia ist eine von Australien, INdonesien bis nach INdien reichende Art, deren Unterarten und Varietäten vielfach als eigene Arten beschrieben worden sind. Das Holzgewächs liefert auf Neukaledonien das Niaouliöl, in Indonesien das Cajeputöl. Die auf Neukaledonien vorkommende Form ist auch als Melaleuca viridiflora beschrieben, die das Cajeputöl liefernde, auf den malayischen Inseln, speziell der Insel Celebes vorkommende Form als Melaleuca leucadendra.
Für die Destillation des Öls bevorzugt man junge Pflanzen oder stauchartige Bestände. Niaouliöl und Cajeputöl sind sich in ihren sensorischen Eigenschaften und in der chemischen Zusammensetzung sehr ähnlich. Sie zeichnen sich durch einen erfrischenden Geruch aus, der an den des Eucalyptus-globulus-Öls erinnert. Der Geschmack ist aromatisch bitter, etwas brennend, hinterher kühlend. Hauptbestandteil des rektifizierten Öls ist Eukalyptol.
Innerlich verwendet man die beiden Öle in Dosen von 0,06-0,2 ml als wahrscheinlich reflektorisch wirkendes Expektorans. Die Einnahme erzeugt nach dem Schlucken ein Gefühl der Wärme, der Pulsschlag wird voller und schneller, es kann zu profusem Schweißausbruch kommen. Das Öl wird in der traditionellen Medizin Malaysias zum Schwitzen verwendet. Mehr gebräuchlich ist die Verwendung als hyperämisierendes Mittel in Kombination mit anderen ätherischen Ölen zum Einreiben."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)