"Hanenfuß würdt von den Griechen genent Batrachium / zu Latein aber Ranunculus. Von ettlichen würt diß kraut Flammula / umb seiner scharpffen unn brennenden krafft willen / geheyssen. Der Apuleius nent es Sceleratam / das ist / ein schalckhafftig oder boßhafftig kraut / von wegen der schalckhafftigen bettlern / welche mit disen gewechsen die füß unnd arm auff etzen / darmit sie die leüt bewegen jhnen zegeben. Aber mit sölchen bösen buben die mit disem betrug das gelt von den leüten bringen / sol man zu dem hencker eilen / darmit sie fürhin sölchen falsch nit mehr treiben künden.
Es seind zwar vil geschlecht der Hanenfüß / aber die fürnemsten / und so gemeinlich gefunden werden / wie Dioscorides unnd Galenus anzeygen / seind viererley. Der erst Hanenfuß ist auch zweyerley / einer zam / der ander wild. Der zam ist auch zweyerley art / einer gefüllt / der ander ungefüllt. Des wilden werden zweyerley von den allten erzelt. Einer hat geele blume / den haben wir wisen Hanenfuß genent / darumm das er gern in den wisen unn graßgärte wechst. In unserm Lateinischen kreüterbuch ist durch jrthumb / weisser für wisen gesetzt. Der ander hat purpurbraun blume / den haben wir noch nit mögen sehen. Den andern Hanenfuß / welcher fast bletter hat wie der Epffich / unn derhalben von ettlichen wilder Epffich genent würt / habe wir wasser Hanenfuß geheyssen. Der dritt Hanenfuß ist klein / darumb wir jhn auch kleinen Hanenfuß genent haben. Das vierdt geschlecht der Hanenfüß ist das aller kleinst / und würt auff Teütsch genent Waldhenle. Diß ist auch / wie Plinius schreibt / zweyerley / eins mit weissen / das annder mit geelen blumen. Darumb wir das ein / weiß Waldhenle / das ander geel Waldhenle genent haben.
Der erst Hanenfuß / wie Dioscorides schreibt / hat bletter dem Coriander gleich / doch breyter / unnd wie Plinius meldt / die fast in der breyte der Pappeln bletter seind / weißlecht unn feyßt. Die blum ist geel / zu zeiten auch purpurbraun. Der stengel ist nit dick / doch elnbogens hoch. Die wurtzel ist klein / weiß / bitter / mit vilen anhangenden kleine zaseln / wie an der Nießwurtz. Auß welchen worten Dioscoridis klärlich vermerckt würt / das der wisen Hanenfuß ein gschlecht ist des ersten Hanenfuß / dann er hat bletter die seind erstlich rund / ungespalten / die andern aber so nach den ersten kommen / seind zerspalten und geformiert wie der Hünerfuß / und ye höher am stengel / ye gleicher sie dem Hüner oder Rappenfuß werden / unnd ye schmeler / wie an dem Coriander kraut. Die blumen seind geel / die wurtzel hat vil zaseln / wie die Nießwurtz. Deßgleichen auch der ungefüllt Hanenfuß hat allenthalben bletter / wie die andern Hanenfüß allein am obersten teyl des stengels haben / gantz schmal / doch seind sie oben auff in zwey teyl zerspalten. Seine blümlin seind dunckelgeel / gewindt ein stachelechts köpflin / wie ein Ygel / darinn ist der sam. Die wurtzel ist auch zasecht / wie an der weissen Nießwurtz. Der gefüllt garten Hanenfuß hat auch zerspalte bletter wie der wisen Hanenfuß / einen dünnen und langen stengel / darauff steen schöne gefüllte geele blumen / die wurtzel ist auch zasecht / wie der vorigen. Der wasser Hanenfuß gewindt ein hohen stengel / und daran bletter die seind tieff zerkerfft wie des Epffichs / hat auch schöne bleychgeele blümlin / so dieselbigen abfallen gewindt er köpfflin wie die trauben zusamen getrungen / darinn ist sein same. Die wurtzel hat auch vil zaseln. Der kleiner Hanenfuß hat zerspaltne unn außgeteylte bletter / ist ein wenig harig / der stengel rund / und auff demselbigen schön geel blumen. Die wurtzel rund wie ein kleiner zwibel / mit kleinen anhangenden zaseln. Das vierdt geschlecht / das man Waldhenle heyßt / hat auch zerspaltene bletter wie die andern Hanenfüß / sein stengel würt nit hoch / auff demselbigen gewindt es blumen die seind weiß leibfarb / unnd an ettlichen hübsch geel. Die wurtzel ist überzwerch geflochten / langlecht / unnd etwas knöpffecht. Brent auff der zungen / wie der klein Hanenfuß.
Das erst geschlecht des geelen Hanenfuß wechst von jm selbs bey den lachen / pfulen / feüchten wisen und graßgärten. Der gefüllt würdt allein in den gärten von den junckfrawen zu den krentzen gepflantzt. Der ungefüllt wechst auch in den gärte / unn zu zeiten auff den nassen feldern / sonderlich wann feüchte jar seind. Der wasser Hanenfuß wechst bey den wassern und bächen. Der kleiner in den graßgärten / wisen / unnd heyden allenthalben. Die Waldhenlin findt man in den wälden / inn sonderheyt das weiß. Das geel aber wechst in hecken unnd awen an dem wasser gelegen.
Der wisen Hanenfuß blüet im anfang des Aprillen / und vergeet darnach im Meyen. Die garten Hanenfüß gefüllt unnd ungefüllt / deßgleichen der wasser unnd klein Hanenfuß blüen den gantzen summer. Das Waldhenlin kompt im früling / nemlich im Mertzen und Aprillen herfür / und blüet in den wälden und feüchten awen / darnach vergeet es auch / wie der erst Hanenfuß.
Die Hanenfuß alle zugleich seind seer warmer und truckner natur / doch der wisen Hanenfuß ist nit sonderlich scharpff wie die andern / darumb er auch nit so krefftig ist in der würckung wie die andern geschlecht der Hanenfüß.
Aller Hanenfüß stengel und bletter so sie noch zart seind zerstossen und übergelegt / etzen auff / brennen / unn machen rufen. Derhalben nemen sie hinweg die rauhen und unglatten negel / allerley rauden / und masen so am leib seind / wartzen / und andere ungeschickte gewechß. So mans ein kleine weil denen so das haar außfallet überlegt / bringen sie denselbigen grossen nutz. Doch soll mans bald wider dannen thun / dann sie sonst die haut auff etzen. Die wurtzel gedörret macht seer niesen. "
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)