"[III.48. - Panakes] Ferula opopanax (Umbelliferae) - Breitblättriges Steckenkraut
Das herakleische Panakes, von dem das Opopanax gesammelt wird, wächst am meisten in Böotien
und zu Psophis in Arkadien, so daß es auch wegen es Gewinns aus seinem Safte reichlich gebaut wird. Es hat rauhe, grüne, denen der Feige sehr ähnliche Wurzelblätter mit fünfteiligem Rande, einen
sehr hohen Stengel wie Steckenkraut, mit weißwolligem Überzug und kleineren Blättern, an dessen
Spitze eine Dolde wie beim Dill und gelbe Blüten. Der Same ist wohlriechend und brennend; die
Wurzeln gehen zahlreich von einer Stelle aus, sind weiß, haben durchdringenden Geruch und eine
dicke, bitterlich schmeckende Rinde. Es wächst auch zu Kyrene in Libyen und in Makedonien. Aus der
Wurzel wird aber der Saft gewonnen, indem sie angeschnitten wird, wenn die Stengel eben zu keimen
begonnen haben. Sie sondert einen weißen Saft ab, welcher eingetrocknet an der Oberfläche
safranfarbig ist. Den ausfließenden Saft fangen sie in Blättern auf, welche sie in einer Grube des
Erdbodens vorher darunter ausgebreitet haben, den eingetrockneten nehmen sie weg. Aber auch aus
dem Stengel ziehen sie den Saft, indem sie denselben um die Zeit der Weizenernte anschneiden und
den ausfließenden Saft in gleicher Weise auffangen. Die besten Wurzeln sind die glatten, weißen,
trockenen, nicht angefressenen, die einen brennenden Geschmack haben und aromatisch sind. Der
Same aus der Mitte der Pflanze ist gut zu gebrauchen, der von den Nebenzweigen ist weniger kräftig.
Vom Saft hat der den Vorzug, welcher sehr bitter schmeckt, innen weiß bis gelblich, außen
safranfarbig, glatt, fett, leicht zerreiblich ist, schnell zergeht und einen durchdringenden Geruch hat.
Der dunkle und weiche ist schlecht. Sie verfälschen ihn nämlich mit Ammoniakum oder Wachs. Er
wird aber geprüft durch Reiben zwischen den Fingern in Wasser; der ächte zergeht und wird milchig.
Er hat erwärmende, erweichende, verdünnende Kraft, deshalb ist er ein gutes Mittel bei
Wechselfiebern und Frostschauern, bei Krämpfen, inneren Rupturen, Seitenschmerzen, Husten,
Leibschneiden, Harnzwang, Blasengeschwüren, wenn er mit Honigmeth oder Wein getrunken wird. Er
befördert die Menstruation und tötet den Embryo, vertreibt auch Aufblähen und Verhärtungen der
Gebärmutter, wenn er mit Wein verdünnt wird. Auch ist er eine Salbe bei Ischias. Ferner wird er den
kräftigenden Salben und den Arzneien für den Kopf zugemischt. Er reißt Karbunkeln rings herum auf,
ist auch mit Rosinen als Umschlag ein gutes Mittel bei Podagra. Weiter besänftigt er Zahnschmerzen,
wenn er in den hohlen Zahn gesteckt wird, und bewirkt als Einreibung Schärfe der Augen. Mit Pech
gemischt bildet er die beste Salbe gegen den Biß des tollen Hundes. Wird die fein geschabte Wurzel
an die Gebärmutter gelegt, so treibt sie den Embryo aus. Von guter Wirkung ist sie bei alten
Geschwüren und den vom Fleisch entblößten Stellen der Knochen, wenn sie fein gerieben
aufgestreut, auch mit Honig aufgestrichen wird. Der Same mit Wermut genommen befördert die
Katamenien, mit Osterluzei dient er gegen giftige Tiere und gegen Gebärmutterkrämpfe, wenn er mit
Wein getrunken wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)