Verwendet werden von beiden Arten die getrockneten Blätter (Brennnesselblätter - Urticae folium) bzw. das getrocknete Kraut (Brennnesselkraut - Urticae herba) bestehend aus Stängeln und Blättern sowie die Wurzeln (Brennnesselwurzel - Urticae radix).

Traditionelle Anwendung:
Brennnesselblätter und Brennnesselkraut zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden, zur Durchspülungstherapie bei Entzündungen der ableitenden Harnwege sowie zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß. In der Volksheilkunde wird die Droge für die sogenannten Frühjahrs- bzw. Entschlackungskuren eingesetzt, aber auch bei Arthritis, Gicht, Podagra, Rheuma, Diabetes, Hämorrhagien, Verschleimung der Brust und Lunge, Ödemen sowie äußerlich zur Wundbehandlung, zur Blutstillung, bei Fisteln und Furunkeln, Asthma und Rippenfellentzündung genutzt. In der Kosmetik wird die Droge zu Haarspiritus bei fettiger Kopfhaut und Schuppen verwendet. Die jungen Pflanzen werden aber auch als Salat zubereitet und dienen als hochwertiges Grünfutter bes. in der Geflügelaufzucht.
Brennnesselsamen wirken in der Volksheilkunde innerlich als Tonikum zur Leistungssteigerung, äußerlich bei Hautleiden und Rheuma.
Brennnesselwurzel für Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadien I bis II. Extrakte der Droge sind Bestandteil einiger Urologika. In der Volksheilkunde wird die Droge zur Blutreinigung, gegen Wassersucht, bei Prostatitis, Rheuma und Gicht ähnlich wie Brennesselkraut eingesetzt.

Homöopathie:
Urtica dioica HAB 1; Grosse Brennnessel, die frische, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiet: nicht ausreichend belegt.

Anerkannte Medizinische Anwendung:
ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) - Brennnesselblätter: Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden; als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß
ESCOP - Brennnesselwurzel: zur symptomatischen Behandlung von Miktionsbeschwerden im Zusammenhang mit Benigner Prostatahyperplasie (BPH) im Stadium I und II (nach Alken) oder Stadium II und III (nach Vahlensieck) wie schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang, Harnverhalten.
ESCOP
Keine unerwünschten Wirkungen bekannt.

Bereitung eines Teeaufgusses:
4 Teelöffel (ca. 2,8 g) fein geschnittene Brennnesselblätter (Brennnesselkraut) mit ca. 150 mL kochendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Min. abseihen. Der Teeaufguss mit Brennnesselwurzel muss mit der grob pulverisierten Droge zubereitet werden; dafür werden pro Dosis 1,5 g Droge mit 150 mL kaltem Wasser versetzt, der Ansatz zum Kochen gebracht, 1 Min. am Sieden erhalten, dann vom Herd genommen und nach 10 Min. abgeseiht.
3- bis 4-mal täglich eine Tasse Brennnesselblättertee (Brennnesselkrauttee) trinken; mittlere Tagesdosis 10 bis 20 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Echtes Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter oder Birken­blätter (Blasen- und Nierentee, Harntee).
Um die Wirkung der Brennnesselwurzel zur Behandlung der Benignen Prostatahyperplasie (BPH) zu gewährleisten, wird angeraten, diese in Form von Fertigarzneimitteln anzuwenden; die Dosierung ist der Packungsbeilage zu entnehmen.