"[IV.92. - Nessel] - Urtica pillulifera (Urticaceae) - Pillennessel und Urtica urens (Urticaceae) - Brennnessel
Die Akalyphe - Einige nennen sie Knide [Andere Adike, die Römer Urtica,
die Aegypter Selepsion, die Dakier Dyn] - kommt in zwei Arten vor. Die eine
nämlich ist wilder, hat rauhere, breitere und dunklere Blätter und eine dem
Leinsamen ähnliche, nur kleinere Frucht. Die andere [Urtica mollis der
Römer]- hat feinen Samen und ist nicht so rauh. Die Blätter beider, mit
Salz als Kataplasma, heilen Hundsbisse und Gangrän, böse, krebsartige
und schmutzige Geschwüre, sowie Verrenkungen, Skrofeln, Drüsen an
den Ohren und an den Schamtheilen und Abscesse. Milzkranken werden
sie mit Wachssalbe aufgelegt. Die Blätter mit dem Safte zerrieben und
eingelegt helfen auch gegen Nasenbluten. Ferner befördern sie mit
Myrrhe im Zäpfchen die Menstruation; die frischen Blätter, eingelegt,
bringen Gebärmuttervorfall in Ordnung. Der Same, mit Rosinenwein ge-
trunken, reizt zum Beischlaf und öffnet die Gebärmutter; mit Honig als
Leckmittel hilft er bei Orthopnoe, Lungen- und Brustfellentzündung, führt
die Unreinigkeiten aus der Brust und wird den fäulnisswidrigen Mitteln
zugesetzt. Mit Muscheln zusammengekocht erweichen die Blätter den
Bauch, vertreiben Blähungen und treiben den Harn. Mit Ptisane ge-
kocht reinigen sie die Brust. Die Abkochung der Blätter mit etwas Myrrhe
getrunken befördert die Katamenien. Der Saft als Gurgelmittel beseitigt
die Entzündung des Zäpfchens."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)