"Urtica (Urtica dioica und urens). Die Nessel (quodlibet genus urticae) ist sehr warm, roh taugt sie wegen ihrer
Rauhheit nicht zur Speise, wohl dagegen gekocht, weil sie den Magen reinigt und Schleim abrührt. ... Wenn durch die im
Menschen befindlichen schädlichen und giftigen Säfte Würmer entstehen, so nehme man den Saft der Brennnessel und
Königskerze zu gleichen Theilen, Walnussblätter oder -rinde, soviel als jene beiden zusammen wiegen, etwas Essig und
sehr viel Honig, erhitze alles in einem neuen Topfe unter fleissigem Abschäumen und nehme es nach dem Aufkochen vom
Feuer, lasse fünfzehn Tage hintereinander davon nüchtern mässig, nach der Mahlzeit reichlich trinken. Wer wider seinen
Willen leicht vergesslich ist, reibe vor dem Schlafengehen die Brust und die Schläfe mit einer Salbe aus Brennnesselsaft
und Baumöl. Gegen Rotz der Pferde helfen Bähungen mit Berennnessel und Liebstöckel; beide unter das Futter gemischt
lindern dem Pferde Magenschmerzen."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)