"Strychnin und Brucin: Die beiden Alkaloide kommen in den Samen von Strychnos nux-vomica vor, kleinen Bäumen in den Wäldern von Sri Lanka, an der Malabarküste und im nördlichen Australien. Die Frucht ist eine apfelgroße Beere mit harter Schale, im weichen Fruchtmus sind vier bis fünf flache Samen eingebettet. Sie enthalten 2-3 % Alkaloide, davon zur Hälfte Strychnin, die zweite Hälfte verteilt sich auf Brucin und geringe Mengen weiterer Nebenalkaloide. Nach der Isolierung lässt sich das anfallende Gemisch von Strychnin und Brucin aufgrund der unterschiedlichen Löslichkeiten in 50%igem Ethanol trennen.
Die beiden Substanzen bilden farblose Kristalle, die sich in Wasser wenig, in Alkohol und Chloroform besser lösen. Noch in sehr hoher Verdünnung schmecken wässrige Lösungen bitter.
Weder für die Strychnossamen, noch für reine Strychninsalze sind rationale Anwendungsgebiete bekannt. Strychninsalze oder Nux-vomica-Extrakte sind in Einzeldosen Bestandteil verschiedener Kombinationspräparate, die zur Verwendung als Tonika empfohlen werden.
Strychnin gehört zu den sehr starken Giften. Im Hiblick auf die Anwendung in Tonika ist aber nicht nur die akute Toxizität einer Einzelgabe von Interesse. Da Strychnin nur langsam ausgeschieden wird, zeigt es Neigung, im menschliche Organismus zu kumulieren. Die ersten Vergiftungssymptome äußern sich oft in einer gewissen Steifigkeit der Kau- und Nackenmuskeln."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Strychnin als Aphrodisiakum: Die Droge entfaltet ihre Hauptwirkung im Rückenmark. Nach Applikation therapeutischer Dosen kommt es zu einer Steigerung der Reflexe. Wegen der positiven Beeinflussung der Sexualsphäre durch Reflexsteigerung wird Strychninnitrat in kleinen Dosen verschiedenen Kombinationspräparaten zugesetzt, welche die Libido fördern sollen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)