"Gemeines Krähenauge, Krähenaugenbaum.
Wächst in Malabar, Zeylon und an der Küste Coromandel.
In den Apotheken werden von diesem Baume die Samen, welche unter dem Nahmen der Krähenaugen, oder der Brechnüsse (Nuces vomicae) bekannt sind, aufbewahrt. Einige haben behaupten wollen, dass der Baum, welcher das Schlangenholz (Lignum colubrinum) giebt, von dem hier beschriebenen nicht verschieden sey: aber nach Herrn Roxburgh’s Meinung wird dieses Holz von einem andern Baume gesammelt.
Die Samen, oder sogenannten Krähenaugen, sind ohne Geruch, besitzen aber einen höchst bittern Geschmack. Sie gehören zu den narkotischen Arzneymitteln, und sind mehreren Säugthieren, besonders denen die blind zur Welt kommen, ein wirkliches Gift. Auch weiß man aus Erfahrung, dass sie bey unvorsichtigem Gebrauche dem Menschen tödtlich geworden sind. Man gebrauchte sie sonst wider die Wasserscheu, in Wechsefiebern nnd wider den Bandwurm. In neuern Zeiten hat man das durch Wasser aus ihnen bereitete Extract, als ein sehr wirksames Mittel wider die Dysenterie empfohlen. Nach Herrn Roxburgh bereiten die Bewohner der Küste Coromandel aus ihnen einen Aufguss mit Weingeist, und halten diesen für ein giftwiderstehendes Mittel.
Das Holz, vorzüglich das der Wurzel, ist sehr bitter und wird auf der Küste Coromandel zur Heilung der Wechselfieber gebraucht.
Das Mus der Früchte soll unschädlich seyn, und von mehreren Arten von Vögeln verzehrt werden."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Erster Band. 1805.)