"Das kraut so auff Teütsch würdt Burretsch genent / ist eben das so die Griechen Buglossum / unnd die Apotecker Borraginem nennen / wie wir das mit vilen worten in unsern Paradoxis haben bewärt / hie on not zu erzelen.
Burretsch hat einen rauhen feyßten stengel / seine bletter seind auch rauch / stechlecht / breyt / runtzelecht / schwartz wie des Wulkrauts / und neygen sich zu der erden / der gestalt nach einer küezungen nit ungleich. Der stengel würt oben auß in vil zweig oder ästlin zerteylt / die tragen liebliche gestirnte gantz himelblaw / ettliche auch schneeweisse blümlin. So die außfallen / wachsen schwartze körnlin darnach / etwan zwey / drey / oder vier neben einander in hülßlin / die oben offen seind.
Burretsch wechst an ebnen und sandigen orten / würt aber yetzunder allenthalb in gärten gefunden.
Blüet im Brachmonat / und weret den gantzen summer.
Burretsch ist wermer unnd feüchter natur.
Die blümlin von der Burretsch in wein gelegt und darvon getruncken / machen frölich /
unnd vertreiben die traurigkeyt / unnd allerley schwermütigkeyt. So sie mit hönigwasser gesotten werden /
seind sie seer bequemlich unnd nützlich denen so im hals rauch seind /
unnd derhalben husten. Der Burretsch staud so drey stengel oder zweiglin bringt /
sol gut sein zu dem drittäglichen feber / mit wurtzel unnd samen in wein gesotten und getruncken.
Welcher stock aber vier zweiglin hat / sol zu dem viertäglichen feber dienen /
in maß unnd gestalt wie yetzunder angezeygt ist bereyt unnd genützt.
Man mag auch zu gedachten febern den zucker vonn den blümlin brauchen.
Das Burretsch kraut zu äschen gebrent / unnd mit hönigwasser vermengt /
gibt ein heylsam mundwasser für allerley geschwär unnd verserung des hals / der zungen und zanfleysch /
stäts damit gewäschen. Burretsch treibt auch den harn / und benimpt den durst.
Das kraut darvon gekocht und gessen / ist gut zu den gebresten der leber."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)