"Boldoblätter: Die Stammpflanze der Boldoblätter ist ein etwa 6 m hoch werdender Baum oder Strauch mit ledrigen Blättern, die beim Zerreiben eigenartig würzig, etwas an Phenol erinnernd riechen. Der Geschmack ist brennend würzig, etwas bitter.
Wertbestimmende Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl (1-2%) und Aporphinalkaloide (0,2-0,5%) mit dem Boldin als Hauptalkaloid. Die Droge wird zu Extrakten, auch Sprühtrockenextrakten, verarbeitet und kommt in Form von Dragees, Granulaten und sofortlöslichen Tees auf den Markt. Das ätherische Öl (Boldo absolut, Superessence Boldo) wird in der Parfümerie verwendet und hat eine sehr kräftige, fruchtig-blumige, in der Spitze etwas medizinische (phenolische) Duftnote.
Boldoauszüge sollen die Gallen- und Magensaftsekretion anregen und schwach hypnotische Eigenschaften haben. Extrakte sind Bestandteil pflanzlicher Kombinationspräparate der Indikationsgruppe Cholagoga und Gallenwegstherapeutika. Es gibt allerdings genügend andere pflanzliche Präparate ohne giftige Bestandteile, sodass die therapeutische Anwendung von Boldoblättern nicht erforderlich ist.
Die Alkaloide der Droge wirken in höherer Dosierung krampferzeugend. Das Vergiftungsbild ähnelt dem von Ascaridol, das früher in Form des amerikanischen Wurmsamenöls, Chenopodii aetherolem, als Wurmmittel viel verwendet wurde. Es wirkt hyperämisierend auf die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, in höherer Dosis auch entzündungserregend. Bei Überdosierung ist das ZNS betroffen: erste Warnzeichen sind Ohrensausen, gefolgt von Gehstörungen, Benommenheit und Koordinationsstörungen. Auch Leberschäden wurden beschrieben. Langzeitanwendung über mehrere Wochen führt zu psychischen Alterationen, Farb- und Tonhalluzinationen und Sprachstörungen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)