"Tormentill hat ein trucknende Eygenschafft/ ohne eine merckliche hitz/ derowegen dient sie auch zu allerley flüssen und kalte Gifft. Sie zeucht auch zusammen/ heylet/ und ist trucken im dritten Grad/ welches alles von der Wurtzel soll verstanden werden. ...
Tormentillwasser (TORMENTILLAE AQUA STILLATITIA): Die beste zeit Tormentillwasser zu distillieren ist im Meyen/ Kraut/ Wurtzel unnd Blumen mit einander genommen unnd klein gehackt/ darnach sänfftiglich IN BALNEO MARIAE abgezogen. Ferner nimbt man zu einer jeden maß des gemeldten Wassers/ vier ubtzen gedörrts Tormentills mit aller Substantz zu einem groblechtigen Pulver gestossen/ vermischts in einer Cucurbit durcheinander/ verlutiert die Cucurbit unnd lassets 24. Stunden in einem warmen BALNEO MARIAE beytzen/ darnach zeucht mans zum andern mal ab/ und rectificirts in der Sonnen/ wie nun offtermals angezeigt worden ist.
Tormentillwasser wirdt höchlich gelobt von allen Artzten vor alles Gifft/ dann es treibt nicht allein alles Gifft aus dem Leib/ sondern auch alle böse gifftige Feuchtigkeit und Fäulnis/ darvon leichtlich die Pestilentz eynnisten mag/ stärcket das Hertz/ stillet die Flux des Haupts/ trocknet sie aus/ stärcket die Brust und Lungen/ heylet alle innerliche versehrung unnd verletzung/ verhütet vor der Lungensucht/ stillet die Bauchflux/ allen Morgen unnd Abendt jedesmal vier oder fünff loth getruncken und den Wein darmit vermischt. ...
Tormentillwurtzel Conservenzucker (TORMENTILLAE RADICUM CONSERVA): Der Conservenzucker von der Tormentillwurtzel wirdt auf folgende weis gemacht. Nimb frische oder grüne Tormentillwurtzel/ reynige unnd wasche sie sauber/ schneidt die kleine Würtzlein hinweg/ unnd das oberste schwartz Häutlein. Zerschneid sie darnach scheubelechtig/ schütte frisch Brunnenwasser darüber/ lass sieden so lang bis das Wasser schier eyngeseudet/ darnach stoß sie zu mus unnd streichs durch ein sauber Tuch durch/ darnach thu zweymal so viel Feinzucker darzu/ lass es sittiglich mit einander sieden/ bis zu der dicke einer Latwergen/ darnach hebs auff in einem Zuckerglas oder Porcellan Geschirr zu dem gebrauch. ... "
(Tabernaemontanus Kräuterbuch, 1613)