Ornus europaeus (Fraxinus ornus)
"Die Manna -Esche liefert den eigenthümlichen, unter dem Namen Manna bekannten Stoff. Namentlich
soll man im Neapolitanischen nach Tenore die Abarten garganica und rotundifolia zur Mannagewinnung
benutzen. Die Manna fließt theils von selbst aus den Bäumen, theils nach Stichen von Insekten (Manna di
Corpo), vorzüglich der Mannacicade , Tetligonia Omi, theils nach im Juli und August in die Rinde gemachten Quereinschnitten. Auf dem letztem
Wege wird die bei weitem größere Menge erhalten. Um sie zu sammeln und rein zu erhalten, steckt man
Blätter oder Reiserchen in die gemachten Einschnitte, worauf sie sich ansetzt. Beim Ausfließen erscheint sie als
ein wenig gefärbter, klebriger Saft, der durch die Sonnenwärme sich verdickt und die Form 6 Zoll langen und 1 —
1 Zoll breiter Röhren oder Stalaktiten annimmt. Die so gewonnene Manna kommt unter dem Namen Röhrenmanna
(Manna cannellata s. cannulata) als die feinste Sorte in den Handel, ist leicht, mürbe, trocken, besteht
aus mehreren Lagen, zeigt innen oft eine fadenförmige Krystallisation, schmilzt leicht auf der Zunge, schmeckt süß,
etwas scharf, jedoch nicht widerlich und riecht schwach. Eine schlechtere Sorte, die gewöhnliche Manna (Manna
calabrina), fließt im September und October aus. Sie ist feuchter und schmutzig, mehr röthlich- gelblich, riecht
honigartig und besteht aus bröckligen, trockenen, verschieden großen, durch eine bräunliche, klebrige Masse vereinten
Stückchen. Die bessere Sorte davon kommt aus Sicilien als Gerace- Manna (Manna Gerace). Die aus der
Manna calabrina gelesenen Körner gehen als Manna in granis. Die schlechteste Sorte aber tritt im November
und zu Anfang des December hervor und fließt Manna crassa s. pinguis s. Manna in sortis. Da sie sich in
kleinen Gruben, die man unter den Bäumen macht, sammelt, so ist sie nicht allein weich und schmierig, sondern
sehr unrein. ...
Die Manna wirkt erschlaffend, abstumpfend, die Sekretion der Schleimhäute befördernd und gelind purgirend. Man
reicht sie als gelindes Purgirmittel gegen entzündliche Fieber, Gallenfieber u. s. w. , selbst bei schwächlichen Personen
und Kindern, jedoch weniger bei großer Erschlaffung, schwacher Verdauung und Neigung zu Flatulenz.
Meist gebraucht man sie in Verbindung mit Salzen (Glaubersalz, Weinsteinrahm) oder Tamarinden, da sie allein zu
2 Dr. bis 3 Unzen angewendet werden muss, um zu wirken. Sie dient übrigens auch zur Bereitung eines gelind
abführenden Syrups (Syrupus Mannae) und von Laxirtränkchen so der Aq.laxativa viennensis. Eben so braucht
man sie im gereinigten Zustande in Tafeln geformt als Manna depurata s. tabulata."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)
Ornus rotundifolia (Fraxinus ornus)
"Die mehr strauchartige rundblättrige Manna-Esche liefert nach Tenore keine Manna. Sie scheint
daher nur aus Verwechselung mit der rundlichen Varietät der Ornus europaea in die Pharmakologischen Schriften
übergegangen zu sein. Doch giebt selbst ein solches historisches Interesse, zumal da es sich auf eine Verwechselung
mit einer wirklich officinellen Art stützt, hinreichend Grund, sie hier aufzunehmen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)