"Der Birnbaum, Pyrus communis L,, ist einer der ältesten Bewohner der Gärten, und auch bei uns so allbekannt, dass er keiner Beschreibung bedarf. Aus dem Holze desselben verfertigte Pirosus das erste Bild der Juno; aber die Früchte sind der Aphrodite gewidmet, und Columella führet eine eigene Sorte derselben auf, die er Pira Venerea oder Venus-Birnen nennt. Sie mögen eine besonders ausgezeichnet schone Sorte gewesen seyn und lieblich gefärbt ; denn Plinius nannte sie auch Pira colorata; es ist unsere roth punktirte Liebes-Birne, A mon Dieu oder Poire d’amour der Franzosen.
Palladius lehrt die Bereitung eines sogenannten Keuschheitstrankes (Liquamen Castimoniale) aus Birnen. Zu dem Ende werden ganze und reife Birnen mit Salz gepresst; dann bewahrt man sie, wenn das Fleisch aufgelöst ist, entweder in kleinen Fässern oder in verpichten Gefässen. Nach Verfloss von drei Monaten scheidet sich von dieser lockern Fleischmasse ein angenehmer Saft ab , zu dem um der Farbe willen etwas rother Wein (Yina nigella) gesetzt wird.
Die Birne ist häufig ein erotisches Bild bei den Alten. Zu erwähnen ist hier auch Periklymenus, Sohn des Neleus und der Chloris, dem Poseidon die Gabe verlieh, sich in alle Gestalten zu verwandeln. Als Herkules Pylus belagerte, wo ersterer sich befand, verwandelte er sich in eine Birne, aber dies schützte ihn doch nicht vor der Feindschaft des starken Heroen."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)