"Die fünff ersten Geschlecht der Bintzen haben eine mittelmässige/ wärmende Eygenschafft/ mit einer trucknenden Krafft/ und werden heutigs Tags als unnutze Kreuter gar nit in der Artzeney gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch: Den Samen von den Gemelten Bintzen ein wenig gebraten oder geröschet und zu Pulver gestossen/ darnach mit gewässertem Wein getruncken/ stopffet denm Stulgang und den unmässigen Blutfluß der Weiber/ unnd treibet den Harn/ er machet aber wehthumb des Haupts wie DIOSCORIDES L.4.C.42. bezeuget. GALENUS schreibet daß der Samen von den grossen Wasserbintzen den Schlaff bringe.
Eusserlicher Gebrauch: Die zarte Bletter oder Lieschscheiben/ die neben den Wurtzeln wachsen/ seynd nutzlich und gut wider die Biß der gifftigen Erdspinnen/ wie ein Pflaster ubergelegt.
Das Marck aus den grosen Weyherbintzen und auch den andern grössern Bintzen gibt gute Döcht und Wiechen in den Ampellen zu brennen.
Aus den kleinen schmalen Bintzen machen etliche leichte Schatthüte/ und lassen dieselbigen mit Daffet oder Sammet uberziehen.
Die jungen Buben die da wöllen lernen schwimmen/ die fahen solches mit den grossen Weyherbintzen an/ schwimmen darauff bis daß sie jhrer Kunst gewiss werden. Sonst decken die armen und gemeinen Leut jhre Häuser darmit wie mit dem Stroh.
Andere flechten oder machen aus den langen schmalen Bintzen kleine Fischreuslein und Körblein/ und trucknen die Bauwersweiber jhre Käs darauff."
(Tabernaemontanus Kräuterbuch, 1613)