"Dioscorides beschreibt vier Arten des Bilsenkrautes, die alle in Griechenland wild wachsen: und zwar 1) das gemeine, schwarze, Hyoscyamus niger L. , das wie bekannt auch bei uns nicht selten vorkommt. 2) Eine Art mit fast rothen Blumen, Blättern wie Smilax, harten dornigen Kelchen u. s. w. Dies ist wohl H. reticulatus, der in Creta und in Syrien wächst. 3) Eine mit gelben Blumen, weicheren, zarteren Blättern und gelblichen Samen wie Erysimon; hieran erkennt man bald H. aureus, der auch in Creta wächst. 4) Eine weiche , wollige Art , mit weißen Blumen und Samen, die am Meerstrande und an ungebauten Orten wächst. Diese Art , sagt Dioscorides , ist die gelindeste und allein zur Arznei tauglich. Blos wenn man diese weiße Art, Hyoscyamus albus L. nicht haben kann, darf die gelbe genommen werden; die schwarze wirkt am heftigsten, und ist deshalb unbrauchbar. Das weiße Bilsenkraut möchte daher auch das der Hippokratiker seyn.
Dieselben gebrauchten den Samen mit Mandragora in Wein gegen Quartanfieber . Wenn nach einer schweren Geburt Hinken und Unvermögen zu stehen übrig blieb, so ließ man in drei Tagen eine große Muschelschale voll des Samens mit dunkelm Wein trinken. Die geringe Betäubung des Kopfes , welche nach einem solchen Tranke zu entstehen pflegt, fährt der hippokratische Schriftsteller fort , hebt ein Becher mit Eselinnenmilch, die man nachtrinken lässt; sodann ist ein Medikament, das den Schleim ausführt, zu reichen. Auch wenn man eine Mola im Uterus vermuthete, ließ man den Samen gebrauchen und sonst bei Weiberhrankheiten damit räuchern . Bei Starrkrampf wurde der Same mit Wein und Oehl infundirt, und damit der Körper eingerieben . Bei krankhaften Ausflüssen aus dem Uterus wurden die Blätter mit Schierling gekocht in Bähungen angewendet, eben so die Wurzel und Blätter gegen Sterilität."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)