"Das Bilsenkraut; und zwar die im Süden gewöhnliche Art, welche die alten Aerzte vorzugsweise anzuwenden pflegten, oder das weisse Bilsenkraut, Hyoscyamus albus L,; es ist von der gemeinen Art oder dem schwarzen Bilsenkraut leicht durch die gestielten Blätter, so wie durch die ganz blassgelben, fast weissen, nicht roth geaderten Blumen zu unterscheiden. Hercules soll diese höchst wichtige narkotische Pflanze zuerst aufgefunden oder benutzt haben.
Auch die alten Aegyptier kannten die betäubenden und gefährlichen Wirkungen des Bilsenkrautes ; sie bedienten sich ohne Zweifel der bei ihnen, insbesondere in den Wüsten um Kairo in Menge, wild wachsenden Art, nämlich Hyoscyamus muticus L. , deren Blumen aussen gelb, innen weiss purpurröthlich sind. Lamarck nennt die Pflanze Hyoscyamus betaefolius. Vielfältig brauchten die ägyptischen Priester bei ihren religiösen Uebungen diese Pflanze, insbesondere zur Besänftigung jener feindlichen Gottheit, die sie Typhon nannten.
Die betäubenden Kräfte dieses ägyptischen Bilsenkrautes scheinen noch weit energischer zu seyn, als selbst die des gewöhnlichen ; denn wenn Jemand von dem Pulver der Pflanze zufällig oder absichtlich etwas erhält, so erfolgt ein Zustand von Wahnsinn, der einige Tage lang anhält, wo dann erst das klare Bewusstseyn wieder zurückkehrt. Man hat diese Pflanze für das Nepenthes des Homer gehalten, eine Angabe, die eben nicht ganz verwerflich seyn dürfte, sondern im Gegentheile Vieles für sich hat."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)