"Steinbrechpimpinelle, Pimpinella Saxifraga, L.
mit glattem, gestreiftem Stengel, und glatten gefiederten Blättern, wovon die Blättchen der Wurzelblätter rundlicht und spitzig gezahnt, die am Stengel aber doppelt gefiedert und gleichbreit sind, ein höchstens zwei Schuh hohes Kraut mit perennirender Wurzel an sandigen, sonnichten, dürren Hügelabhängen, welches im July und August öfterer weiß, als röthlich blüht.
Die dünne, spindelförmige, zwei bis drei Zoll lange, äusserlich und innerlich weiße, von ihrem dickern Kopfe aus etwas faserichte, mit dichten, ringförmigen Striefen gerunzelte Wurzel (Rad. Pimpinellae saxifragiae minoris, Pimpinellae albae, s. nostratis) hat einen duftenden Geruch, und einen erst bitterlichen, bei längerm Kauen aber süßlichten, aromatischen, hitzigen, und brennend beißenden, nicht lange anhaltenden Geschmack. Sie enthält nichts adstringirendes aber etwas gelbes, sehr brennend schmeckendes ätherisches Oel, und läßt sich am vollkommensten mit Weingeist ausziehen. Die Alten trieben damit Schweiß, rühmten sie in pestilenzialischen Fiebern, und ließen sie bei Zahnschmerzen kauen. Sie soll Bauchgrimmen vertreiben, Engbrüstigkeit von zurückgetriebenen Ausschlägen heben und verschleimte Magen stärken. In wiefern sie in Wassersucht und Bleichsucht heilsam sei, ist noch nicht ausgemacht. Einige haben sie in Vertreibung der Nachwehen vom Quecksilbermisbrauche, vorzüglich gegen das daher rührende Zittern angewendet, und den Geschmack der Sensblätter und Rhabarber damit zu verbessern gesucht. Jezt bedient man sich ihrer größtentheils nur in der schleimigen Bräune, und in Heiserkeit, wiewohl sie in mehrern Krankheiten, wo schlaffe Faser und Schleim herrscht, Dienste leisten könnte.
Die wild wachsende ist der in Gärten gezogenen weit vorzuziehen. An Kräften soll sie mit der Pimpinella magna, L. sehr überein kommen, aber doch stärker wirken."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)
"Pimpinellmegelkraut, Poterium Sanguisorba, L.
ohne Stacheln und mit ziemlich kantigen Stengeln, ein etwa anderthalb Fuß hohes Kraut mit perennirender Wurzel, im südlichen Deutschland, in Schwaben, der Schweitz und dem Elsaß ursprünglich, auf dürren, steinichten, sonnichten, unfruchtbaren ungebauten Stellen, bei uns nur in Gärten einheimisch, wo es im Juny seine länglichten Blumenähren in Blutroth verwandelt.
Dieses häufig mit dem Biebernellwiesenknopfe verwechselte Kraut (Hb. Pimpinellae hortensis, Pimp. italicae minoris, Pimp. sanguisorbae minoris) welches schon durch die Menge Stengel, mit denen es aufsteigt, während ersterer nur einen hat, kenntlich wird, hat einen etwas lieblichen Geruch, und einen gelind adstringirenden Geschmack, und ist in aller Art Blutflüssen und in Bauchflüssen von den Alten ungemein empfohlen worden. Es gehört unter die geschätztesten Suppenkräuter.
Noch berühmter war ehedem die federkieldicke, braunrothe Wurzel von feinem, bitterlichem, zusammenziehendem Geschmacke, und feinem, nicht unangenehmem Geruche, zu gleichen Behufen. Durch Kultur im Garten wird sie für die Küche angenehmer.
Beider Ruf gegen Wasserscheu ist unstreitig unzuverlässig."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)