"Besenginsterkraut und Spartein: Die Droge besteht aus den im Frühjahr und Spätherbst gesammelten und getrockneten Sprossen von Cytisus scoparius. Spartein ist ein bei Raumtemperatur farbloses Öl. Seine Flüchtigkeit mit Wasserdampf kann zur Anreicherung herangezogen werden. Besenginsterkraut wird mit verdünnter Mineralsäure extrahiert. Nach Volumenreduzierung wird der Extrakt alkalisiert und einer Wasserdampfdestillation unterworfen. Nach Neutralisieren mit Schwefelsäure und Verjagen des Lösungsmittels verbleibt rohes Sparteinsulfat, das durch Redestillation weiter gereinigt wercen kann.
Sparteinsulfat wird in Form von Tabletten oder Ampullen in der Therapie von Herzrhythmusstörungen verwendet; Erhaltungsdosis 3-5 mal 30 mg pro Tag. Eine weitere Anwendung besteht in Form von Fluidextrakt meist auf 0,1% Spartein standardisiert; empfohlene Richtdosis: 3 mal täglich 20-30 Tropfen, entsprechend einer Sparteindosis von etwa 3 mg pro Tag. Anmerkung: Die Dosierungsunterschiede zwischen Reinstoffpräparat und Galenikum sind eklatant. Es lässt sich vermuten, dass das Phytotherapeutikum nur zur Behandlung psychogen bedingter Herzbeschwerden verwendet wird.
Spartein ist ein wirksames Antiarrhythmikum mit Hemmwirkung auf den schnellen Natriumeinstrom. Anderen Antiarrhythmika gegenüber ist es unterlegen durch: die kurze Halbwertszeit, die unzuverlässige Bioverfügbarkeit und durch Kumulierung bei etwa 5% der Patienten infolge genetisch bedingter Anomalie und Entgiftung. Zusammenfassend ergibt sich für Spartein als Reinstoffpräparat heute kein hoher Stellenwert in der Therapie. Pflanzliche Extraktionspräparate mit Spartein in niedriger Dosierung zur Behandlung funktioneller Herz-Kreislauferkrankungen sind durch risikoärmere Phytotherapeutika oder andere therapeutische Maßnahmen ersetzbar."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)