"Siambenzoe: Siambenzoe von Styrax tonkinensis wird in Laos in der Provinz Luang Prabang auf den Gebirgen im Osten des Mekongflusses in Höhen von 1200-1500 m gewonnen. An 6- bis 10-jährigen Bäumen setzt man Schnittwunden, die bis ins Holz gehen. Auf die Verletzung antwortet das Kambium zunächst mit der Bildung von reichlich neuem Gewebe. Schon bald beginnen sich im Wundkallus ringförmige Sekretgänge zu bilden, die sich durch Abbau des zwischen den schizogenen Sekretgängen befindlichen Gewebes lysigen erweitern. Die Bildung von Sekretgängen greift über die Markstrahlen auch auf andere Teile der Rinde über. Aus der Wunde tritt ein gelblich-weißer Balsam aus, der wegen des Gehalts an Benzoesäureester des Zimtalkohols flüssig ist. Das zuerst austretende Produkt wird verworfen. Erst der in der Folge entstehende Balsam gibt die gute Droge. An der Luft färbt er sich bräunlich, wird durch Verdunstung des Zimtalkohols allmählich fest und erhärtet in Form von Körnern oder Platten.
Die Droge besteht aus gelblichweiß bis rötlichbraun gefärbten Stücken; der Geruch erinnert an Vanillin. Der Geschmack ist anfangs süß, hinterher scharf. Benzoe vereinigt in sich die Eigenschaft eines haftfesten Duftstoffs mit den Eigenschaften eines Konservierungsmittels und eines Antioxidans. Als Zusatz in Mundwässern und anderen kosmetischen Zubereitungen (inkl. Salben und Cremes) modifiziert es nicht nur deren geruchliche Eigenschaften, v.a. trägt es auch zu deren besserer Haltbarkeit bei. In Form der Tinktur (1:10) wirkt es durch Auftragen oder Aufpinseln auf kleine Schnittwunden als Antiphlogistikum. Als Aerosolspray wird es gegen Fissuren und Schrunden der Haut, zur Behandlung wunder Brustwarzen und zur Vorbeugung gegen Wundliegen verwendet. In der kosmetischen Industrie dient es zum Parfümieren von Seifen.
Hauptträger der antimikrobiellen Wirkung dürfte die Benzoesäure sein, deren Wirkungsspektrum sich hptsl. gegen Hefe und Pilze, weniger gegen Bakterien richtet. Benzoesäureconiferylester hat antioxidative Eigenschaften. Antioxidanzien verhindern oder verzögern die oxidative Zersetzung von Wirkstoffen und Hilfsstoffen. In seltenen Fällen kann Benzoeharz Kontaktdermatitis hervorrufen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Sumatrabenzoe: Der Balsam von Styrax benzoin wird wie Siambenzoe verwendet. In der kosmetischen Industrie stuft man allerdings die an Perubalsam erinnernde Geruchsnote als weniger fein ein. Auch in der chemischen Zusammensetzung bestehen große Ähnlichkeiten; allerdings treten die Zimtsäurederivate - Coniferylcinnamat, Zimtsäurecinnamat, freie Zimtsäure - im Vergleich zu den Benzoesäurederivaten stärker hervor."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)