"Beinwellwurzel: Die Droge besteht aus dem getrockneten Wurzelstock samt Wurzeln von Symphytum officinale. Die Droge ist geruchlos, ihr Geschmack schleimig, etwas süßlich und schwach adstringierend.
Die Schleimstoffe wirken lokal reizmildernd, sie binden Wasser, wodurch sie als Träger wärmespeichernder Umschläge geeignet sind. Allantoin fördert die Wundheilung und beschleunigt die Zellregeneration. Es gehört zu den osmotisch wirkenden Stoffen, ähnlich wie Harnstoff, Traubenzucker oder Honig, deren wundheilende Wirkung darauf beruht, dass aus der Wundfläche ein Flüssigkeitsstrom hervorgelockt wird, wodurch Bakterien und bakterielle Zersetzungsprodukte verdünnt und mechanisch weggespült werden. Die lokale Durchblutung wird angeregt und die Voraussetzungen zur örtlichen Abwehr verbessert.
Anwendungsgebiete: Die Behandlung offener Wunden mit Beinwellpräparaten ist heute obsolet. Drogenpulver und wässrige Extrakte werden zusammen mit hyperämisierend wirkenden ätherischen Ölen zu Fertigarzneimitteln in Pastenform verarbeitet. Indikationen sind stumpfe (unblutige) Verletzungen, Verrenkungen, Prellungen und Blutergüsse.
Wegen der in der Pflanze vorkommenden Pyrrolizidinalkaloide wird die Droge als potentiell genotoxisches Kanzerogen für den Menschen eingestuft. In der Praxis dürfte das Risiko aber gering sein, da die Konzentration an toxischen Alkaloiden vergleichsweise niedrig ist, bei äußerer Anwendung die Resorptionsquote niedrig ist, und in der Regel die Umschläge nur kurzfristig angewendet werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)