"Alle Geschlechter der Baldrian haben eine Krafft unnd Natur zu erwärmen/ zu trucknen/ unnd auff zu lösen/ seynd warm unnd trucken im anderen Gradt/ unnd seyndt die wurtzeln deren Kreuter am kräfftigsten/ darunder hat das erst Geschlecht den Vorzug/ darnach der Bergbaldrian/ folgends der klein Baldrian/ darnach der grösseste unnd gemeine. Der Apulische Bergbaldrian mag dem ersten Geschlecht gleich gerechnet werden von wegen seines fürtrefflichen Geruchs. Der Steinbaldrian aber dem dritten Geschlecht/ Bergbaldrian genannt. ...
Baldrianwurtzel mit Fenchelsamen/ Aniss/ Süssholtz und kleinen Roseinlein/ in Wasser oder Wein/ nach eines jeden Gelegenheit gesotten/ darnach durchgesiegen/ den Tranck mit gescheumptem Honig oder Zucker süss gemacht/ und allen Morgen und Abendt/ jedesmal ein kleines Tischbecherlein voll darvon warm getruncken/ vertreibet den Husten/ das Keichen und Engbrüstigkeit/ und machet ausswerffen. ...
Es seynd alle Baldriankreuter heylsame Augenkreuter fast nützlich zu dem blöden Gesicht/ welches man auch von den Katzen warnemmen kan/ die jhre sonderliche Kurtzweil mit diesen Gewächsen haben/ sonderlich aber mit der gemeine Baldrian/ jhr Gesicht darmit zu stärcken und zu schärpffen. ...
Man pflegt auch die Wurtzeln im Frühling zu graben/ darnach auff zu trocknen/ und in die Truhen und Kleyderschenck/ zwischen die Kleyder zu legen/ die theylen den Kleydern einen guten Geruch mit/ unnd bewahren sie vor den Würmen unnd Motten. ... "
(Tabernaemontanus Kräuterbuch, 1613)