"Bernklaw würt auch genent Berentatz / darumb das sein blatt eine Berenfuß gleich ist. Daher es auch in den Apotecken noch geheyssen würdt Branca ursina. Auff Griechisch unnd Lateinisch würt es Acantha genent.
Diß krauts / welches Acantha genent würt / seind zweyerley geschlecht / wie das Plinius im xxii. buch / am xxii. capitel klärlich anzeygt. Eins mit stechenden oder rauhen unnd krausen blettern / und kürtzer dann das ander geschlecht / welchs der beschreibung Dioscoridis nit gleich ist / unnd ist das so in unnsern landen allenthalben in wisen wechst. Darumb es billich Teütsch bernklaw genent würdt. Das ander ist glatt unnd lenger / ja wie Dioscorides anzeygt / zweyer elnbogen hoch / unnd diß ist der recht Acanthus / welches wir Welsch bernklaw genent haben.
Das welsch und recht Bernklaw hat bletter wie Lattich / doch breyter und lenger / zerspalten wie des weissen Senffs / schwartz / feyßt / unnd glatt. Sein stengel ist hoch / fingers dick / welcher ist mit langen stechende blettern / die schüpenweiß herfür kommen / biß oben an bekleydet. Auß denselbigen geet herfür ein schöne weisse blum. So sie abfallen / würdt darauß ein hülß / in welcher ist langer und geeler same / in der grösse einer welschen erbß. Seine wurtzel seind zäh und leymechtig / rotfarb und lang. Unser Teütsch Bernklaw ist ein schwartz rauch kraut / seine bletter seind auch zerspalten unnd zerteylt gemeinlich in fünff neben bletter / der stengel auch rauch / lang / hol / etwan fingers dick / mit braune äderlin durchzoge / mit knöpffen undersetzt wie des Fenchels / am obersten der stengel bringt sie schöne kronen die blüen weiß / vast wie der Holder. Der same so sich von der blüet erzeygt / würt breyter dann der Dyll samen / ye zwey breytter körnlin zusamen gesetzt / wie es dann das gemäl klärlich an tag gibt. Die wurtzel würdt zu zeiten elen lang / inwendig weiß / am geschmack scharpff.
Welsch Bernklaw wechst in gärten / steinigen unnd feüchten orten. Unser Bernklaw hat jre statt in den graßgärten / und sandigen wisen.
Blüen im Brachmonat und Hewmonat / zu zeiten im end des Meyen.
Die bletter der Bernklawen zerteylen / und verzeren / die würtzel aber seind einer subtilen substantz / darauß leicht ist abzunemen / das sie warmer und trückner natur seind.
Die wurtzeln von der rechten Bernklawen / seind nutzlich zum brand / und denen / welchen die gleych verruckt unnd außeinander seind / so mans überlegt. Gesotten in wasser / unnd getruncken / treiben den harn / unnd stellen den stulgang. Dise wurtzel ist auch treffenlich gut den schwindsichtigen / und gebrochnen / so mans mit der speiß kochet / fürnemlich mit gersten. Man mag auch sölche wurtzel gestossen im podagra überschlagen. Unser Bernklaw vertreibt geschwulst / so sie gesotten würt und übergelegt. In summa / hat vast alle eygenschafft wie das recht Bernklaw. Fürnemlich aber so verzeret sie und trücknet auß alle überige feüchtigkeyten. "
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)