"Auch der Apfelbaum, Pyrus Malus L., wurde schon
in den frühesten Zeiten in den Gärten kultivirt, wie wir
noch heut zu Tage thun ; aber die Nachrichten der Alten
von seinen Früchten sind vielfach verwirrt und vermengt
worden, und das um so leichter, da bei ihnen alles, was
eine apfelförmige Frucht hat, Malum hiess, und keineswegs
immer die eigenen Arten durch Beiworte kenntlich
gemacht werden, daher so viele Widersprüche von dem,
was auf die wahren Aepfel, was auf die Quitten, was
auf die Pomeranzen, was auf die Granaten zu beziehen
ist, die oft alle blos Apfel genannt werden. Nur der
Zusammenhang und Sinn des Ganzen kann hier genügenden
Aufschluss geben.
Die Aepfel waren Symbole der Sonne ; daher gewisse
Trabanten der persischen Könige, 1000 der Zahl nach,
auf ihren Stäben goldene Aepfel trugen, oder
Aepfelträger genannt. Ein
Apfel in der Hand des Apollo deutete auf den ältesten
Preis in den pythischen Spielen, welches ein Apfel war.
Es kommt zwar in unsern Wäldern einzeln der Apfelbaum im wilden Zustande vor, allein seine wahre Heimath
ist das Morgenland. Tournefort sah solche Wälder an den Gränzen
von Persien, wo Aepfel, Birnen, Pflaumen u. s.w, die gewöhnlichsten
Bäume sind.
Wenn eine Grazie, Baumfrüchte tragend, worunter
auch Aepfel seyn können, dargestellt wird, so dürfte dies
Bezug auf die Jahrszeit haben, in welcher das Obst zur
Reife gelangt."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)