"Anis - Bibernelle, Anis, gemeiner Anis, Eins, Anis, Enes.
Wächst in Ägypten, Syrien und andern Gegenden des Orients.
Blühet im Julius.
Man findet dieses Gewächs schon beym Theophrast und Dioscorides. Die Früchte desselben, welche in den Arzneyvorrath aufgenommen sind, nennt man gemeinen Anis oder Anissamen, Semen Anisi vulgaris. Sie sind sehr reichhaltig an ätherischem Öhle, welches von starkem eigenthümlichem Geruch und sehr mildem, süßem Geschmack ist. Es liegt hier dieses Öhl, so wie überhaupt bey den ätherisch-öhlhaltigen Früchten der Doldengewächse, in den Striemen der Fruchthülle; der eigentliche Same, nämlich das Perisperm desselben, giebt durch Auspressen ein fettes Öhl, wie hier die Erfahrung gezeigt hat, was denn gewiss auch bey den Samen aller Doldengewächse Statt finden muss. Vermöge des ätherischen Öhles ist dieser sogenannte Same gelinde excitirend, blähungstreibend und den Auswurf bey Brustzufällen befördernd. Die Alten zählten ihn mit zu den vier größern erwärmenden Samen, Semina quatuor calida majora. Das ätherische Ohl, Oleum Anisi aethereum, hat gleiche Wirkung mit dem sogenanten Samen, nur in höherem Grade. Es kommt mit zum Liquor Ammonit anisatus , so wie auch zum Balsamum Sulphuris anisatum (Oleum Anisi sulphuratum). Auch hat man von dem sogenannten Samen ein destillirtes Wasser, Aqua Anisi. Der überzuckerte Annis, Confectio Anisi, ist jetzt nur bey dem Conditor zu suchen, da er in dem Arzneyvorrath schon lange zu den sehr entbehrlichen und daher überflüssigen Mitteln gerechnet wird."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Siebenter Band. 1855.)