"Der Eniß oder äniß / würdt auff Griechisch unnd Lateinisch Anisum geheyssen / welchen namen er biß auff den heütigen tag in den Apotecken behalten hat.
Eniß ist ein kraut erstlich mit dem stengel / bletter unnd blumen dem Eppich gantz änlich. Dann sein stengel ist ein wenig mit holkälen underscheyde / rund / und hat vil äst. Sein bletter aber die erstmal herfür kommen / seind rund / aber darnach werde sie zerspalten wie des Eppichs. Auff dem stengel gewindt es vil schöne weisse blümlin / und einen kolben dem Fenchel gleich. Das gantz kraut / gleicher gestalt wie der same / ist eines guten geruchs unnd geschmacks.
Diser sam kompt erstlich auß Syria / ist yetzund gemeyn worden / also das er vast in allen gärten wechst.
Blüet im Brachmonat unnd Hewmonat / zu welcher zeit man auch seinen samen samlen mag.
Diser same ist warm und trucken im dritten grad.
Eniß samen macht ein geringen / unn wolschmeckenden athem. Legt schmertzen und weetagen /
treibt den harn. Ist nutz jngenomen den wassersüchtigen / unnd vertreibt das auffbleen des bauchs.
Er ist auch gut zu den gifftigen thieren / auff jhre biß gelegt. Verstelt den stulgang /
unnd den weissen fluß der weiber. Weiter so bringt Eniß den weibern die milch /
unnd mehret den lust zur unkeüscheyt. Ein rauch von Eniß samen gemacht /
und in die nasen empfangen / vertreibt das hauptwee. Diser same gestossen /
und mit rosen öl vermengt / unnd in die ohren gethan / heylet jhre verwundung.
Eniß inn ein küssen oder secklin gethan / unnd für die nasen gehencket /
und daran geschmeckt / vertreibt die böse traum. Diser same macht lust zu essen /
unnd stilt das hechsen und auffstossen des magens / bringt den schlaaff /
treibt den nieren stein / und so man den selbigen dorret ist er gut zu der roten rhur.
Er ist auch sonderlich gut den kindern so das vergicht haben. Unnd seind ettlich die schreiben /
so man disen samen nur in der hand halte / das er das vergicht unnd den fallenden siechtagen verhalte.
Er ist auch gut gessen / oder übergelegt den weibern / so die muter über sich steigt.
Mit wein getruncken / bringt er den schweyß / und nimpt hinweg allerley verstopffung.
Das kraut unnd der sam vertreiben die schaben vonn den kleydern."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)