"Pikrotoxin: Pikrotoxin ist der bittere und zugleich hochgiftige Inhaltsstoff der sog. Kokkelskörner; das sind die Früchte des auf Sri Lanka und im Indo-Malaischen Archipel heimischen Schlingstrauchs Anamirta cocculus. Die beerenartigen, roten bis dunkelbraunen, runzeligen Steinfrüchte sind kugelig mit 0,5-1 cm im Durchmesser.
Die dünne Fruchtschale ist ohne Geschmack. Der Bitterstoff ist im Samen lokalisiert (Gehalt etwa 1.5% Pikrotoxin). Die intensiv bitter schmeckende, kristallisierende Substanz ist in heißem Wasser und heißem Alkohol löslich. Sie ist farb- und geruchlos. Vom Magen-Darm-Trakt wird nur ein geringer Teil resorbiert und rasch, in unveränderter Form im Urin abgeschieden.
Pikrotoxin wurde (in Dosen von 3-6 mg intravenös) früher Atemanaleptikum, besonders bei Barbituratvergiftungen, verwendet. Es ähnelt toxikoligisch dem Strychnin (Krampfgift)."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)