"Thymol: Die Droge kann aus thymolreichen ätherischen Ölen gewonnen werden. In Frage kommt heute allenfalls noch das Öl der Ajowanfrüchte. Es sind dies kleine, im Aussehen an Kümmel erinnernde Doppelachänen von Trachyspermum copticum (syn. T. ammi). Ajowan wird v.a. in Indien als Gewürzpflanze angebaut, daneben auch im Iran, in Südasien und in Nordafrika. Die Ajowanfrüchte enthalten 2,6-4,5% ätherisches Öl mit einem Thymolgehalt von 35-60%, begleitet von Carvacrol, Pinen und Cymen. Heute wird Thymol fast ausschließlich synthetisch hergestellt.
Thymol bildet bei Raumtemperatur farblose Kristalle, die würzig-brennend schmecken; der Geruch ist intensiv, "phenolisch-medizinisch". In verdünnter wässriger Lösung wird der Thymolgeruch auch als blumenartig empfunden. Der Thymolgeruch soll Fliegen anziehen.
Thymol ist wichtig als Ausgangsmaterial zur Herstellung von synthetischem Menthol. In der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie als Deodorant in Zahnpasten, Gurgelwässern, Mundwässern, Rasierseifen und Rasiercremes. Die bakteriostatische und fungizide Wirkung des Thymols - sie erstreckt sich auch auf Hefen und Schimmelpilze - ist dabei sehr willkommen, da es sich i.a. erübrigt, den Produkten synthetische Konservierungsmittel zuzusetzen. Gezielt ausgenutzt wird die fungizide Eigenschaft des Thymols als Wirkungskomponente in Streupudern zur Behandlung von Pilzinfektionen der Haut. Die innerliche Anwendung von Thymol als Wurmmittel (gegen Hakenwurminfektionen) gilt als überholt, da es andere, bessere Pharmaka gibt. Ein neues Anwendungsgebiet ist die topische Anwendung bei Herpes genitalis.
Die akute resorptive Giftigkeit von Thymol ist relativ gering. Intoxikationserscheinungen in Form von Kopfweh, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall machen sich beim Erwachsenen ab oralen Dosen über 4,0 g bemerkbar. Beachtenswert sind mögliche chronische Intoxikationen bei Langzeitanwendung thymolhaltiger Mundpflegemittel; ihr Gebrauch kann Thyreotoxikosen auslösen. Dass Thymol die Schilddrüsenfunktion beeinflusst, wurde erstmailg bekannt, als man Thymol zur Wasserdesinfektion einem Brunnen (in Gilgit, Iran) zusetzte und als nach längerem Genuss dieses Wassers die Kropfbildung in der Bevölkerung auffallend zurückging."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)