"Gewöhnlich hält man die Mandragora des Theophrast von der des Dioscorides verschieden; erstere hat man theils auf Atropa Belladonna, theils wie z. B. Cäsalpin auf Mirabilis Jalapa L. bezogen. Die des Dioscorides ist ohne Zweifel Atropa Mandragora L. eine Pflanze , die auf den griechischen Inseln häufig wächst, und unter andern neuerlich von Dumont d'Urville in Menge auf Astypalaea gefunden wurde. Ueber die narkotische Wirkung derselben stimmen die älteren Schriftsteller genau überein, und auch neuere, wie z. B. Hoffberg, haben sie bestätigt. Nach letzterem ist sie der des Opiums ähnlich. Das was die Hippokratiker von der Wirkung der Mandragora sagen, stimmt dagegen besser mit denen der Belladonna überein ; ich wage deshalb nicht, mich bestimmt für die eine oder die andere Pflanze zu erklären. Nur wiederholte Versuche über die Wirkungsart des Alrauns mit der wild gewachsenen Pflanze , besonders mit deren Wurzel angestellt, werden die Sache entscheiden können. Nach dem Rathe der Hippokratiker , soll man Melancholischen, die sich selbst das Leben nehmen wollen , die Wurzel der Mandragora geben , doch in solcher Dosis , dass sie keine Wuth errege. — Gegen Convulsionen wird die Mandragora gleichfalls angerathen , und dieselbe Vorsicht in Hinsicht der Dosis beobachtet; dabei soll noch an beiden Enden des Bettes des Kranken ein Feuer angezündet werden . Gegen Quartanfieber wurde die Mandragora mit Silphium gegeben, auch zur Beförderung der Menstruation angewendet. Bei krankhaften Ausflüssen des Uterus ließ man sie mit Schwefel und Wein in Mutterkränzen beibringen . Die frische oder getrocknete Wurzel wurde als Cataplas bei entzündetem vorgefallenen After gebraucht."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)