"Atropa Mandragora L., Alraun
(Solan.). — Mandragora hat überwiegend kaltmachende Wirkung
und zwar im 3. Grade. In den Beeren hat sie Feuchtigkeit.
Diese haben schlafbringende Wirkung. Die Wurzelrinde,
die im Gegensatz zum Inneren sehr wirksam ist, hat
neben der kaltmachenden auch austrocknende Wirkung. —
An einer anderen Stelle nennt Galen Mandragora
ein Anodynum und Narcoticum, das den ganzen
Körper kalt und anästhetisch macht und reichlicher genommen,
tödtlich wirkt.
Die Mandragora war schon den alten Aegyptern bekannt
und ist in dem Papyros Ebers und dem Berliner Papyros
angeführt. Der Saft, besonders der aus der Wurzel
durch Einschnitt gewonnene, wurde für besonders wirksam
gehalten: „Nach dem Genuss schlief der Mensch in der Stellung.
welche er bei dem Genuss der Mittels eingenommen
hatte, 3 oder 4 Stunden ohne Gefühl; daher wandten die
Aerzte dasselbe bei Operationen an.
Dioscorides führt eine schwarze weibliche
(Thridacis) und eine weisse männliche (Morion) an.
und nennt den Saft aus Wurzel und Beeren gleichfalls ein
Anästheticum bei Operationen. Plinius empfiehlt sie gegen
Melancholie und Convulsionen, „doch in geringerer Dosis,
als dass sie Wuth erzeuge.“. Auch Hippokrates kannte
schon den eben erwähnten Unterschied in der Wirkung
kleiner und grossen Dosen von Mandragora. Nach Abu
Mansur verursacht die Wurzelrinde Schlafsucht und Empfindungslosigkeit,
wodurch sie den Schmerz lindert.
Wir haben es hier mit einer centralen Atropinwirkung
(auf die Grosshirnrinde) zu thun. Die peripheren Wirkungen
des Atropins haben die antiken Schriftsteller nicht beobachtet.
(Ludwig Israelson: Die "materia medica" des Klaudios Galenos, 1894)