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"[IV.76. - Alraun] - Atropa mandragora (Solanaceae) - Alraunwurzel, Mandragora
Die Mandragora - Einige nennen sie Antimelon, Andere Dirkaia, auch Kirkaia, da die Wurzel als Liebesmittel wirksam zu sein scheint [auch Antimenion, Bombochylos, Minos, die Aegypter Apemum, Pythagoras, Anthropomorphon, Andere Althergis, Thridakias, Kammaros, Zoroaster Diamonon oder Archine, die Propheten Hemionus, auch Gonogeonas, die Römer Mala canina, auch Mala terrestria]. Eine Art davon ist weiblich, schwarz, Thridakias genannt, sie hat schmalere und kleinere Blätter mit hässlichem und scharfen Geruch, über die Erde ausgebreitet, daneben Aepfel wie Speyerlingsbeeren, gelb, wohlriechend, darunter auch eine Frucht wie die Birne, die Wurzeln sind sehr gross, zwei oder drei, miteinander verwachsen, aussen schwarz, innen weiss und mit einer dicken Rinde. Einen Stengel treibt sie nicht. Die Blätter der männlichen, welche Einige Norion nennen, sind gross, weiss, breit, glatt wie bei der Bete. Die Aepfel sind doppelt so gross, von safrangelber Farbe, mit einer gewissen Schärfe wohlriechend. Wenn die Hirten dieselben essen, werden sie wie leicht betäubt. Die Wurzel ist der der vorigen ähnlich, aber grösser und weisser; auch diese ist stengellos.
Aus der Rinde der Wurzel wird Saft bereitet, indem sie frisch zerstossen und unter die Presse gebracht wird; man muss ihn dann in die Sonne setzen und nach dem Eindicken in einem irdenen Gefässe aufbewahren. In ähnlicher Weise wird auch aus den Aepfeln der Saft bereitet, aber es wird aus ihnen ein schwächerer Saft gewonnen. Auch wird die ringsum abgezogene Rinde der Wurzel auf eine Schnur gereiht und zum Aufbewahren aufgehängt. Einige kochen die Wurzeln mit Wein bis auf den dritten Theil ein, klären es und setzen es dann weg, um einen Becher davon bei Schlaflosigkeit und übermässigem Schmerzgefühl anzuwenden, ebenso bei solchen, bei denen sie, um sie zu schneiden oder zu brennen, Gefühllosigkeit bewirken wollen. Der Saft, in der Gewichtsmenge von 2 Obolen mit Honigmeth getrunken, führt den Schleim und die schwarze Galle nach oben ab wie die Nieswurz; ein Genuss von mehr nimmt das Leben weg. Er wird auch den Augenarzneien und den schmerzstillenden Mitteln, wie auch erweichenden Zäpfchen zugesetzt. Für sich allein so viel wie 1 Obole im Zäpfchen eingelegt, treibt er die Menstruation und den Embryo aus, in den After als Zäpfchen gebracht macht er Schlaf. Man sagt auch, dass die Wurzel das Elfenbein, wenn es damit sechs Stunden gekocht werde, erweiche und plastisch mache, um in jede beliebige Form gebracht zu werden. Die frischen Blätter sind mit Graupen als Umschlag ein gutes Mittel bei Entzündungen an den Augen und an Geschwüren; sie zertheilen auch alle Verhärtungen und Abscesse, Drüsen und Geschwulste; sie bringen ferner Male ohne Eiterung weg, wenn sie fünf bis sechs Tage sanft aufgerieben werden. Zu demselben Zwecke werden die Blätter in Salzlake eingemacht und aufbewahrt. Die Wurzel, mit Essig fein zerrieben, heilt Rose, mit Honig oder Oel dient sie gegen Schlangenbisse, mit Wasser vertheilt sie Drüsen und Tuberkeln, mit Graupen lindert sie auch Gelenkschmerzen. Aus der Wurzelrinde wird ferner ohne Kochen ein Wein bereitet; man muss dann 3 Minen in 1 Metretes süssen Weines geben und davon 3 Becher denen reichen, welche geschnitten oder gebrannt werden sollen, wie oben gesagt ist, denn sie empfinden wegen des Verfallens (in tiefen Schlaf) keine Schmerzen. Die Aepfel aber sind durch den Geruch und den Genuss betäubend, ebenso der aus ihnen gewonnene Saft, im Uebermaass aber genossen, nehmen sie die Sprache weg. Der Same der Aepfel, getrunken, reinigt die Gebärmutter, mit Jungfernschwefel im Zäpfchen eingelegt stellt er den rothen Fluss. Aus der Wurzel wird aber der Saft gezogen, indem sie mehrfach eingeschnitten und er in einer Höhlung aufgefangen wird; der ausgepresste Saft ist aber kräftiger als der so aus- fliessende. Die Wurzeln liefern übrigens nicht in jeder Gegend (natürlichen) Saft, dies zeigt die Erfahrung. Man berichtet, es gebe noch eine andere, Morion genannte Art, welche an schattigen Plätzen und um Felsenhöhlen wächst; sie hat Blätter wie die weisse Mandragora, aber kleiner und etwa spannenlang, weiss, kreisförmig und die Wurzel gestellt, welche zart, weiss, etwas grösser wie eine Spanne und daumendick ist. Diese, in der Gabe von 1 Drachme getrunken oder mit Graupen im Brod oder in der Zukost genossen, soll tiefen Schlaf bewirken; es schläft nämlich der Mensch in derselben Stellung, in welcher er sie genossen hat, ohne jede Empfindung drei bis vier Stunden von da ab, wo sie eingenommen ist. Auch diese gebrauchen die Aerzte, wenn sie schneiden oder brennen wollen. Die Wurzel soll auch ein Gegenmittel (gegen Gifte) sein, wenn sie mit dem sogen. Strychnos manikos genommen wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[V.81. - Mandragorawein]
Zerschneide die Rinde der Wurzel und gib ½ Mine, in Leinen gebunden, in 1 Metretes Most drei Monate lang, dann giesse den Wein um. Die mittlere Gabe ist ½ Kotyle. Er wird getrunken unter Zusatz von doppelt so viel Most. Man sagt, dass 1 Hemine davon 1 Chus zugemischt Schlaf mache und betäube; 1 Becher mit 1 Xestes Wein getrunken tödtet. Beim richtigen Gebrauche wirkt er schmerzstillend und die Flüsse verdichtend. Ob er in der Räucherung, als Klystier oder als Trank angewandt wird, er hat dieselbe Wirkung."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)