"Kap-Aloe: Ausgangsmaterial sind die baumartigen 2-3 Meter hohen Pflanzen von Aloe ferox, sowie von Hybriden dieser Art mit A. africana, oder A. spicata. Die genannten Arten sind in Südafrika weit verbreitet.
Die Blätter werden quer abgeschnitten, jeweils 200 von ihnen werden mit der Schnittfläche nach unten am Rand einer Erdvertiefung aufgeschichtet, die mit einer Ziegenhaut oder mit wasserdichtem Segeltuch ausgelegt ist. Nur der freiwillig austropfende Saft darf gesammelt werden; Auspressen der Blätter würde zur Folge haben, dass massenhaft Schleim den Aloesaft verunreinigt. Etwa sechs Stunden lang hält der spontane Saftfluss an. Je nachdem wie schonend der Saft sodann eingedickt wird, erhält man mehr dunkelbraun glänzende, durchscheinende, oder matte Massen. Sog. Lucida-Ware entsteht, indem der Aloesaft etwa vier Stunden lang über offenem Feuer eingeengt wird; die in der Hitze halbfeste Masse gießt man in Kanister, in denen sie erstarrt. Eindunsten durch Stehenlassen in der Sonne liefert die Heptica-Ware."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Curacao-Aloe: Diese Bezeichnung ist irreführend, weil auf Curacao keine Aloe-Arten beheimatet sind. Die Insel war lediglich eine Zeitlang Zentrum des Aloe-Exports. Die eigentliche Heimat von Aloe barbadensis ist Afrika, die heute für die Drogengewinnung kultivierten Pflanzen stammen von der Antilleninsel Aruba, den benachbarten Küstenstrichen von Venezuela und den subtropischen Gebieten der USA.
Die am Rande mit Stacheln versehenen Blätter werden maschinell geerntet und in V-förmigen Trögen gesammelt, sodass der Blattsaft am unteren Ende in ein Sammelgefäß läuft. Die Temperatur beim Eindicken wird im allgemeinen niedriger gehalten als bei der Kap-Lucida-Ware. Im typischen Fall ist Curacao-Aloe stumpfopak. Heute sind schonende Trocknungsverfahren. wie die Vakuum-Sprühtrockung, im Zunehmen.
Kap- und Curacao-Aloen weisen einen starken charakteristischen Geruch und einen bitteren unangenehmen Geschmack auf.
Aloe ist diejenige Anthranoiddroge, die bei weitem am intensivsten laxierend wirksam ist. Bei Überdosierung sind neben kolikartigen Bauchschmerzen auch hämorrhagische Gastritis und, selten, Nephritis beobachtet worden. Auch wird der Sexualtrieb erregt.
Da Aloe intensiv bitter und unangenehm schmeckt, gibt man sie selten gelöst in Tropfenform, sondern vorzugsweise in Pillen- und Drageeform. Die auf dem Markt befindlichen Präparate sind vielfach Kombinationspräparate. Die Hersteller empfehlen ihre Anwendung gegen DArmträgheit, als Cholagogum bei funtionellen Störungen in Bereich der Gallenwege, zur Entfettung, zur Entschlackung, usw. Größte Mengen an Aloe werden zur Herstelung einer "zusammengesetzten Aloetinktur" verwendet, die meist unter dem volkstümlichen Namen "Schwedentropfen" angeboten wird. Die Tinktur enthält außer Aloe und Rhabarber Enzian, Safran, Zitwerwurzel und andere Ingredienzien. Die allgemein stärkende und stimulierende Wirkung sei stärker als die abführende ... "
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)


"Aloe-barbadensis-Gel: Die Volksmedizin Mittelamerikas kennt das Verfahren, Aloeblätter auf Brandwunden aufzulegen; die Schmerzen sollen rasch nachlassen und die Wunden schnell abheilen. Dieses Verfahren wird von der kosmetischen Industrie imitiert, die Aloeextrakte (Aloegel) nicht gemnau bekannter Herstellungsweise zur Verwendung inzahlreichen Kosmetika heranzieht. Von diesen Produkten lässt sich jedoch keinesfalls eine Wirkung erwarten, wie sie vom frischen Blattsaft der Aloe-Arten bekannt ist. Der nach Abschneiden eines Aloeblatts austretende Saft enthält zahlreiche Anthranoide, von denen bekannt ist, dass sie bakteriostatisch und antimykotisch wirken.
Frischer Aloesaft fördert das Wachstum menschlicher Zellen in Zellkulturen, ferner heilen künstlich verletzte Gewebe rascher."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)