"Gummi arabicum (Acacia-Gummi): Gummi arabicum ist das an der Luft erhärtete Gummi, das auf natürliche WEise oder nach Einschneiden des Stammes und der Zweige von Acacia senegal oder verwandten Acacia-Arten austritt.
Zur Gummigewinnung dienen wild wachsende oder kultivierte (Kordofan) Exemplare von Acacia senegal. Daneben liefern auch noch einige andere afrikanische Arten wie A. seyal und A. nilotica arabischen Gummi.
Im Februar und März werden in die etwa 6jährigen Bäumchen mit einer kleinen Axt querlaufende Einschnitte in Stamm und Zweige gemacht, und die Axt dabei so gedreht, dass die Rinde gelöst wird. Ober- und unterhalb des Einschnitts zieht man die Rinde soweit ab, dass das Kambium auf eine Fläche bis zu 7 x 90 cm freigelegt und zur Bildung neuer Rinde angeregt wird. Gleichzeitig beginnt der als Vergummung (Gummosis) bezeichnete Prozess, der aber nur während der Trockenzeit an Bäumen auf sehr trockenem Standort in Gang kommt. Gummi scheidet sich nach außen ab und wird nach 20-30 Tagen in Form kugeliger Gebilde abgelesen, von Verunreinigungen befreit, sortiert und getrocknet; früher wurde noch an der Sonne gebleicht. Hauptproduktionsgebiet ist der Sudan; die beste Sorte stammt aus Kulturen in Kordofan. Die Ausbeuten pro Baum und Jahr liegen im Durchschnitt zwischen 1 und 2 kg.
Das Handelsprodukt besteht aus rundlichen, weiß-gelblichen, manchmal bernsteinfarbenen, rissigen Tränen, die kaum wahrnehmbar riechen und fad-schleimig schmecken.
In kaltem Wasser löst sich arabisches Gummi nur sehr langsam auf; doch ist die Löslichkeit selbst außerordentlich gut, sodass Lösungen mit Gehalten bis zu 50% hergestellt werden können. Arabisches Gummi ist kein einfaches Polymergemisch, sondern ein GEmisch nahe verwandter Heteropolysaccharide. Die prozentuale Verteilung ist sortenabhängig; für Acacia-senegal-Gummi wurde sie wie folgt gefunden: Arabinose 38%, Galaktose 32%, Rhamnose 12%, Glukuronsäure 18%.
Eine der auffallendsten physikalischen Eigenschaften des arabischen Gummis ist die starke Abhängigkeit der Viskosität von der Konzentration. Erst bei hohen Konzentrationen zwischen 40% und 50% werden, dann fast sprungartig, maximale Viskositätswerte erreicht. In organischen Lösungsmitteln ist Gummmi arabicum praktisch unlöslich.
Anwendung: Eingesetzt wird Gummi arabicum als Emulgator und Verdickungsmittel immer dann, wenn die Präparationen zur oralen Einnahme bestimmt sind. Auch im Lebensmittelbereich gehört das arabische Gummi zu denjenigen Verdickungsmitteln, die allgemein und deklarationsfrei zugelassen sind. Verschiedene Hustenpastillen und Lutschtabletten, gleichermaßen Gummibonbons der Süßwarenindustrie, enthalten Zusätze von Gummi arabicum um sicherzustellen, dass die Pastillen sich beim Lutschen hinreichend langsam auflösen; ein Nebeneffekt besteht darin, dass das Auskristallisieren von Zucker verhindert wird. Ein wichtiges modernes Anwendungsgebiet ist die Mikroverkapselung von ätherischen Ölen. Dabei werden Öle mit Gummi-arabicum-Lösung emulgiert und anschließend sprühgetrocknet. Das Polysaccharid bildet um die Öltröpfchen einen Film, der die Inhaltsbestandteile vor chemischen Veränderungen schützt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)