"Masholderahorn, Acer campestre, L.
mit fünflappigen, ganz glattrandigen Blättern, deren unterer Lappen vorne ausgeschnitten ist, und[63] aufrechtem, dreitheiligem Blumenafterstrause, ein im Unterholze, unter Hecken und Gesträuche wohnender, mittelmäßiger Baum, welcher im Maiweiß blüht.
Seine von außen weißgraue, harte, bitterzusammenziehend schmeckende Rinde (Cort. Aceris minoris) ist in ältern Zeiten der Ulmenrinde an Kräften gleich geachtet worden.
Aus dem Safte des Baumes kann Zucker bereitet werden, Ahornzucker."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Lenneahorn, Acer platanoides, L.
mit fünflappigen, spitzgezahnten Blättern und einfachen, aufrechten Blüthenschirmtrauben, ein in hochgebirgichten Wäldern, vorzüglich unter Eschen, an feuchten Stellen, auf fettem schwerem Boden einheimischer, hoher Baum, welcher im Mai blüht.
Die denen des Platanusahorn ähnlichen, nur spitzlappigern Blätter (Fol. Aceris maioris) haben einen zusammenziehenden, bitterlichen Geschmack. Man hat sich ihrer, vorzüglich der jungen, im Weinabsude gegen triefende Augen bedient, und der jungen grünen Sprossen (Turiones Aceris maj.) gegen Scharbock und fliegende Gicht.
Am nutzbarsten ist der aus dem süßen Safte, der aus Einschnitten dieses Baums fließt, bereitete Zucker, Ahornzucker."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Ahornsaft (Succus aceris.)
Er ist noch süßer als der Birkensaft, und in einigen Gegenden wider den Scharbock mit Nutzen gebraucht worden.
Man bohrt zu dieser Absicht vorzüglich die großen Platanusahornstämme einen Fuß hoch über der Erde bis auf den Splint an, steckt einen Federkiel hinein, und fängt den besonders im November bis Ausgang Dezembers recht rein süßen und häufig herausrinnenden Saft in Flaschen auf. Man muß ihn frisch verbrauchen, da er leicht in Gährung übergeht; man läßt täglich auf zwei Pfund davon trinken, um, wie man meint, das Blut zu reinigen."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Ahornzucker (Saccharum aceris.)
Auf gleiche Art aus verschiedenen Ahornarten, (Acer platanoides, A. pseudoplatanus, A. rubrum, A. saccharinum.) vorzüglich im Winter gezogenen Saft, dampft man über freiem Feuer bis zum vierten Theile ab, seihet ihn durch, und verdickt ihn dann vollends bis zur Sirupsdicke. Man nimmt den Kessel vom Feuer und rührt den Sirup unaufhörlich bis zum Erkalten, da man dann einen bräunlichen Zucker, von Geschmack und Ansehn des Farinzuckers erhält. Man bekömmt aus acht Pfund Saft gewöhnlich ein Pfund solchen wohlschmeckenden Zuckers, dem man viel Kräfte gegen den scharfen Schleim der Brust und den trocknen Husten zugeschrieben hat.
Der von Ahornsafte, den man im Frühlinge abzapft, bereitete Zucker hat einen etwas unangenehmen grusichten Geschmack."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)