"[II.199. - Asphodelos] - Asphodelus racemosus (Liliaceae) - Ästiger Affodill, Asphodelus albus (Liliaceae) - Weisser Affodill
Der Asphodelos [Einige nennen ihn Narthekion, die Römer Albucium] ist ein den Meisten bekanntes Gewächs. Er hat dem großen Porree ähnliche Blätter, einen glatten Stengel mit der Blüte an der Spitze, welcher Antherikos heisst. Die Wurzeln darunter sind länglich, rund, Eicheln ähnlich von scharfem Geschmack und erwärmender Kraft. Innerlich genommen treiben sie den Urin und befördern die Menstruation. Sie heilen auch Seitenschmerzen, Husten, Krämpfe und innere Rupturen, wenn 1 Drachme der Wurzel mit Wein getrunken wird. In der Größe eines Würfels genommen erleichtert sie das Erbrechen, in der Gabe von 3 Obolen wird sie mit Erfolg denen gegeben, welche von Schlangen gebissen sind, man muss aber die Bisswunde mit den Blättern, der Wurzel und Blüte in Wein bedecken. Ebenso ist sie bei schmutzigen und fressenden Geschwüren bei Entzündungen der Brüste und Hoden, bei Geschwülsten und Furunkeln angebracht, wenn Weinabsatz mit der Wurzel gekocht wird, bei frischen Entzündungen mit Graupen. Der Saft der Wurzel mit Zusatz von altem süßem Wein, Myrrhe und Safran, dieses mit einander gekocht, gibt eine Augensalbe. Bei eiterflüssigen Ohren hilft er für sich allein und mit Weihrauch, Honig, Wein und Myrrhe zusammen erwärmt. Zahnschmerzen lindert der Saft, wenn er für sich allein in das gegenüberstehende Ohr geträufelt wird. Die gebrannte Wurzel bewirkt nach der Fuchskrankheit dichtes Haar, wenn die Asche derselben aufgestrichen wird. Wird Öl in den ausgehöhlten Wurzeln am Feuer erhitzt, so hilft es aufgestrichen bei Brandwunden und geschwürigen Frostbeulen, bei Ohrenleiden, wenn es in das Ohr getröpfelt wird. Weiße Hautflecken welche vorher in der Sonne mit Leinen gerieben sind, entfernt die eingeriebene Wurzel. Die Frucht und vorzugsweise die Blüte sind, in Wein getrunken, ein Gegenmittel gegen Skolopender- und Skorpionbisse; sie beunruhigen aber auch sehr den Bauch. [In einem anderen Codex: Er blüht um die Zeit der Weizenernte. Man muss aber den weißen Asphodelos im Frühjahr, um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche schneiden, bevor die Frucht sich vergrößert. Man sagt, dass der Genuss der Wurzel unempfindlich mache gegen Liebesgelüste. Der Rhizotom Krateuas sagt dasselbe, auch, dass die Wurzel zu 1 Drachme mit Wein genommen die Podagraleiden heile.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)