"Minzöl: Minzöl wird aus dem Kraut blühender Pflanzen der japanischen Minze, Mentha arvensis var. piperascens, durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Es gelangen nicht die genuinen Öle in den Handel, sondern die partiell enthmentholisierten und anschließend rektifizierten Produkte. Die ein- oder auch mehrfache Rektifizierung bezweckt eine Entbitterung und Normierung: Fraktionen verschiedener Öle werden gemischt, auf bestimmte Konstanten eingestellt und unter Typenbezeichnungen in den Handel gebracht. Die Handelsprodukte bedienen sich außer der Typen- daneben oder zusätzlich der Herkunftsbezeichnungen: - Pfefferminzöl, japanisch, - Pfefferminzöl, brasilianisch, - chinesisches Pfefferminzöl, - indisches Pfefferminzöl. Man beachte, dass alle diese Minzöle als Pfefferminzöle deklariert sind. Die phamazeutische Werbung kennt daneben noch die Bezeichnung "Heilpflanzenöl".
Zwar ähneln sich Minz- und Pfefferminzöl geruchlich und geschmacklich in hohem Maß, dennoch sind deutliche Unterschiede vorhanden. Geruch und Geschmack der Minzöle werden als bitterer und strenger schmeckend, geruchlich als weniger angenehm und harmonisch empfunden, sodass sie in der Lebensmittelindustrie und in der kosmetischen Industrie weniger hoch geschätzt werden.
Frisch destilliertes Minzöl enthält 80- >90% Menthol, das sich bereits beim Abkühlen des Destillats teilweise abscheidet. In den Handel gelangen nur Produkte, denen weiteres Menthol entzogen wurde und die durch Rektifikation von niedrig siedenden Terpenen und hoch siedenden (schlecht riechenden und schmeckenden) Harzen befreit sind. Im Gegensatz zu den teuren Pfefferminzölen vom Piperitatyp verwendet man Minzöle in großem Maßstab zur Gewinnung von natürlichem Menthol. In pharmazeutischen Präparaten verwendet man Minzöle ähnlich wie Pfefferminzöle als Korrigenzien. Unter phantasievollen Namen verwendet man auch die reinen Öle selbst; die gelblich-grüne Farbe der Öle wird in diesen Produkten gern durch Chlorophyllfarbstoffe verstärkt. Sie sind innerlich und äußerlich bewährte "Hausmittel" bei einer Vielzahl alltäglicher Beschwerden: Zum Gurgeln 1-2 Tropfen Öl auf 1 Glas Wasser, innerlich bei spastischen Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Kanals (1-2 Tropfen Öl in 1 Tasse Tee, Wasser oder Fruchtsaft, oder 1-2 Tropfen auf ein Stück Zucker, 1-3mal täglich einnehmen), zur Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Heiserkeit, Verschleimung (2-3 Tropfen Öl in heißes Wasser geben und die aufsteigenden Dämpfe bei geschlossenen Augen tief einatmen), äußerlich als schmerzstillende Einreibung bei Nerven- und Gliederschmerzen sowie Weichteilrheumatismus (einige Tropfen mit der Hand auf die schmerzende Stelle einmassieren).
Säuglinge und Kleinkinder dürfen nicht konzentrierten Dämpfen von Menthol, Minzöl oder Pfefferminzöl ausgesetzt werden, vor allem darf ihnen keine Salbe in die Nase eingerieben und kein Nasenöl eingeträufelt werden, da es reflektorisch zu Atemstillstand kommen kann. Minzöl kann wie Pfefferminzöl in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen führen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Menthol: Das Arzneibuch kennt zwei Monographien für Menthol: eine für natürliches Menthol und eine für razemisches Menthol. Linksdrehendes Menthol gewinnt man aus Minzölen. Mentha-arvensis-variatio-piperascens-Öle können an die 80% Menthol enthalten, das sich beim Abkühlen der Öle abscheidet und abgeschleudert wird. Spuren von - dem kristallinen Menthol anhaftendem - Minzöl verleihen dem Menthol eine angenehme krautig-minzige Note. Durch partialsynthetische Prozeduren lässt sich weiteres Menthol aus dem Minzöl gewinnen.
Menthol kann auch partialsynthetisch gewonnen werden. Die folgenden Verfahren sind technisch realisiert: - aus Citronellal, - aus Phellandren, - aus Piperiton und - aus Caren. Razemisches Menthol erhält man durch Hydrieren von Thymol nach Abtrennen der Diastereomere: Neomenthol, Isomenthol und Neoisomenthol.
Das linksdrehende Menthol wird als süß-minzig, kühl und frisch beschrieben, das rechtsdrehende Menthol als schwach minzig, dumpf-kellerartig mit krautigem Unterton. Razemisches Menthol unterscheidet sich jedoch für den Ungeübten von natürlichem Menthol so gut wie gar nicht. Linksdrehendes und razemisches Menthol schmecken nach Pfefferminze.
Menthol bringt auf der Haut ein erfrischendes Kältegefühl hervor, dem nach 10-15 min ein leichtes, prickelndes Brennen folgt. Diese Wirkung kommt durch eine Verschiebung des physiologischen Arbeitspunktes der Kälte und Wärmerezeptoren in einen höheren Temperaturbreich zustande. Reflektorisch werden an der Applikationsstelle die Gefäße zunächst verengt, dann erweitert. Die Veränderungen im Temperaturempfinden werden von einer gewissen schmerz- und juckreizstillenden Wirkung begleitet, die sich aber nur auf die dicht unter der Haut liegenden Nerven erstreckt. Es ergeben sich folglich recht komplexe Wirkungsspektren des Menthols, abhängig von der unterschiedlichen Verteilung der Rezeptoren an den verschiedenen Hautpartien, von der Mentholkonzentration und von der Zeit.
Für die topische Anwendung gilt als Faustregel: im Konzentrationsbereich von 0,1-1% wirken Mentholzubereitungen juckreizstillend; im höheren Konzentrationsbereich von 1,25-16% als Hautreizmittel. Die hauptsächliche Verwendung ist äußerlich bei juckenden Erkrankungen, Urtikaria, Pruritus usw., und zwar in 0,5-1%igen Zubereitungen. Bei akuten Ekzemen ist wegen der Reizwirkung eine gewisse Vorsicht geboten."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)