"Von mehreren Arten der Affodillen, welche in den
Schriften der Botaniker aufgezählt werden, ist hier nur
eine einzige zu erwähnen, nämlich :
Die Affodille des Elysium, Asphodelus ramosus L., eine
lilienähnliche Pflanze, die häufig an den Küsten des mittelländischen
Meeres, in Spanien und Portugal, auf Korsika
, den Inseln des griechischen Archipelagus u. s. w.
wild wächst. Die Pflanze ist sehr ausgezeichnet durch
ihre Wurzel, welche aus länglichen Knollen besteht, die
in Griechenland , wenigstens in den älteren Zeiten , zur
Speise benutzt wurden. Der Stengel wird öfters zwei
Ellen hoch, ist rund, glatt und oben ästig. Die aus der
Wurzel entspringenden Blätter sind länglich, schmal, dreiseitig.
Die sehr wohlriechenden Blumen, deren jede aus
sechs Corollenblättern besteht , sind an der innern Seite
weiss , aussen aber mit einem purpurrothen Streifen bezeichnet.
Die dreifächerigen Samengehäuse enthalten dreieckige
schwarze Samen.
Berühmt sind die Asphodelos- Wiesen , welche die
Phantasie des Alterthums in die Unterwelt versetzte, und
sie mit den Manen der Verstorbenen bevölkerte. Der
Affodill ist die Pflanze der elysischen Gefilde, der Insel
der Seligen, sie grünet im Lande der Träume, umschwebt
von den Luftgebilden der Manen. Damit hängt auch die
Sitte zusammen, den Asphodelos auf Gräber zu pflanzen.
Er war überdem noch ein grosses Heilmittel , das freilich
, durch abergläubische Sagen in höheres Ansehen
gebracht, aus den Händen der Priester in die der Aerzte
überging.
Merkwürdig ist, dass auch die Japaner eine der eben
beschriebenen ganz ähnliche Art, allem Ansehen nach,
den Asphodelus asiaticus Hawkins auf ihre Grabhügel
pflanzen, und das blühende Gewächs in Töpfen auf Leichensteine
stellen.
Nicht nur Proserpina, die Herrscherinn der Unterwelt,
kommt mit dieser schönen Pflanze bekränzt vor,
sondern, nach Saidas, auch Diana, selbst Dionysos und
Semele wurden damit geziert.
Der Asphodelos ist die gewöhnlichste Speise der Bewohner
des Elysium, und offenbar hatte man dabei ihre
Wurzel im Auge, die, wie schon erinnert wurde, allerdings
als ein Nahrungsmittel benutzt werden kann."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)